Berufliche Weiterbildung ist nicht nur für Arbeitsuchende interessant. Auch Beschäftigte in einem bestehenden Arbeitsverhältnis können unter bestimmten Voraussetzungen durch die Agentur für Arbeit bei einer Weiterbildung gefördert werden.
Über die Weiterbildungsförderung für Beschäftigte nach § 82 SGB III können Zuschüsse zu den Lehrgangskosten möglich sein. Arbeitgeber können zusätzlich einen Zuschuss zum Arbeitsentgelt erhalten, wenn Mitarbeitende für die Weiterbildung von der Arbeit freigestellt werden.
Je nach Betriebsgröße und individuellem Förderfall können Teile oder sogar die gesamten Lehrgangskosten übernommen werden. Zusätzlich kann für Arbeitgeber ein Zuschuss zum Arbeitsentgelt während der Weiterbildung infrage kommen.
Was ist die Weiterbildungsförderung für Beschäftigte?
Die Weiterbildungsförderung unterstützt Menschen, die bereits beschäftigt sind und sich beruflich weiterqualifizieren möchten. Ziel ist es, bestehende Kenntnisse auszubauen, neue Kompetenzen zu erwerben und Beschäftigte auf Veränderungen der Arbeitswelt vorzubereiten.
Häufig wird in diesem Zusammenhang noch vom Qualifizierungschancengesetz gesprochen. Dieses hat die Möglichkeiten zur Förderung beruflicher Weiterbildung für Beschäftigte deutlich erweitert.
Rechtliche Grundlage für die individuelle Weiterbildungsförderung beschäftigter Arbeitnehmer ist heute insbesondere § 82 SGB III.
Das Entscheidende: Die Weiterbildung kann während eines bestehenden Arbeitsverhältnisses stattfinden. Eine Kündigung ist dafür nicht erforderlich.
Was wird bei einer Weiterbildung für Beschäftigte gefördert?
Bei der Beschäftigtenförderung sind vor allem zwei finanzielle Bereiche relevant: die Kosten der Weiterbildung und das Arbeitsentgelt während der Qualifizierung.
Zuschuss zu den Weiterbildungskosten
Die Agentur für Arbeit kann sich je nach Förderfall teilweise oder vollständig an den Lehrgangskosten beteiligen.
Dadurch wird Weiterbildung auch für Unternehmen interessant, die ihre Mitarbeitenden gezielt entwickeln möchten, aber nicht das gesamte Weiterbildungsbudget selbst tragen können.
Zuschuss zum Arbeitsentgelt
Findet die Weiterbildung während der regulären Arbeitszeit statt und wird der Beschäftigte dafür freigestellt, kann für den Arbeitgeber zusätzlich ein Arbeitsentgeltzuschuss infrage kommen.
Damit kann ein Teil des weiterbildungsbedingten Arbeitsausfalls finanziell abgefedert werden.
Welche Voraussetzungen gelten für die Förderung?
Für eine Förderung nach § 82 SGB III müssen mehrere Voraussetzungen erfüllt sein.
- Die Weiterbildung umfasst mehr als 120 Stunden.
- Die Stunden müssen nicht zwingend am Stück absolviert werden.
- Bildungsträger und konkrete Weiterbildungsmaßnahme müssen für die Förderung zugelassen sein.
- Die Weiterbildung muss über eine ausschließlich kurzfristige, arbeitsplatzbezogene Anpassungsfortbildung hinausgehen.
- Der Berufsabschluss liegt in der Regel mindestens zwei Jahre zurück.
- In den letzten zwei Jahren vor Antragstellung wurde grundsätzlich keine Weiterbildung nach § 82 SGB III gefördert.
Je nach Angebot kann die Weiterbildung in Vollzeit, Teilzeit, berufsbegleitend oder auch online stattfinden.
Ob eine konkrete Person und Weiterbildung tatsächlich förderfähig ist, entscheidet die zuständige Agentur für Arbeit im Einzelfall.
Wie hoch ist die Weiterbildungsförderung für Unternehmen?
Die Förderhöhe richtet sich vor allem nach der Betriebsgröße. Für die klassische Beschäftigtenförderung nach § 82 SGB III gelten grundsätzlich folgende Größenordnungen:
| Betriebsgröße | Lehrgangskosten | Arbeitsentgeltzuschuss |
|---|---|---|
| Unter 50 Beschäftigte | 100 % Kostenübernahme (soll) | 75 % |
| 50 bis 499 Beschäftigte | 50 % | 50 % |
| Ab 500 Beschäftigte | 25 % | 25 % |
Beispielsweise können bei Beschäftigten ohne Berufsabschluss und einer berufsabschlussbezogenen Weiterbildung höhere Zuschüsse bis hin zu 100 % infrage kommen.
Bei Betrieben mit weniger als 500 Beschäftigten gelten zudem besondere Regelungen für Beschäftigte ab 45 Jahren sowie schwerbehinderte Menschen.
Liegt eine Betriebsvereinbarung zur beruflichen Weiterbildung oder ein entsprechender Tarifvertrag vor, kann sich die Förderung zusätzlich um fünf Prozentpunkte verbessern.
Beispiel: Geförderte Weiterbildung im Online Marketing
Ein Unternehmen beschäftigt eine Mitarbeiterin im Marketing. Ihre bisherigen Aufgaben verändern sich zunehmend: KI unterstützt die Content-Erstellung, Suchmaschinen entwickeln sich weiter und für Google Ads, Social Media, SEO und Datenanalyse werden neue Kompetenzen benötigt.
Statt ausschließlich neue Fachkräfte zu suchen, möchte das Unternehmen die bestehende Mitarbeiterin gezielt weiterqualifizieren.
Eine umfangreiche Weiterbildung in Bereichen wie SEO, SEA, Content Marketing, Social Media, E-Commerce oder KI im Online Marketing kann dazu beitragen, bestehendes Wissen auszubauen und neue Aufgaben im Unternehmen zu übernehmen.
Wenn Weiterbildung, Bildungsträger und Beschäftigte die jeweiligen Voraussetzungen erfüllen, kann eine Förderung durch die Agentur für Arbeit infrage kommen.
Warum lohnt sich die Weiterbildungsförderung für Arbeitgeber?
Die Förderung ist nicht nur für Beschäftigte interessant. Auch Unternehmen profitieren davon, vorhandene Mitarbeitende gezielt weiterzuentwickeln.
Digitalisierung, Automatisierung und künstliche Intelligenz verändern Tätigkeiten und Kompetenzanforderungen zunehmend. Gerade im Online Marketing entstehen laufend neue Tools, Plattformen und Arbeitsweisen.
Geförderte Weiterbildungen können Unternehmen dabei unterstützen:
- Fachwissen im eigenen Unternehmen aufzubauen
- Mitarbeitende für neue Aufgaben zu qualifizieren
- digitale Kompetenzen zu stärken
- vorhandene Fachkräfte weiterzuentwickeln
- Weiterbildungskosten zu reduzieren
- Veränderungen von Tätigkeitsprofilen aktiv zu begleiten
Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen kann es sinnvoll sein, relevantes Know-how langfristig im eigenen Team aufzubauen.
Qualifizierungschancengesetz und Qualifizierungsgeld: Was ist der Unterschied?
Die Begriffe werden häufig miteinander verwechselt, beschreiben aber nicht dasselbe.
Beschäftigtenförderung
Je nach Betriebsgröße können Zuschüsse zu den Lehrgangskosten und zum Arbeitsentgelt während der Weiterbildung möglich sein.
Qualifizierungsgeld
Das Qualifizierungsgeld ist eine Entgeltersatzleistung für bestimmte Unternehmen mit strukturwandelbedingtem Qualifizierungsbedarf.
Beim Qualifizierungsgeld stehen nicht die Lehrgangskosten, sondern die Einkommenssicherung während der Weiterbildung im Mittelpunkt. Die Weiterbildungskosten trägt grundsätzlich der Arbeitgeber.
Anders als bei der individuellen Beschäftigtenförderung muss beim Qualifizierungsgeld der Bildungsträger zugelassen sein; eine gesonderte Maßnahmezulassung ist hierfür nicht erforderlich.
Wie beantragt man die Weiterbildungsförderung?
Die Förderung sollte unbedingt vor Beginn der Weiterbildung geklärt werden.
Arbeitgeber und Beschäftigte können sich an die Agentur für Arbeit wenden und prüfen lassen, welche Fördermöglichkeiten für die geplante Qualifizierung bestehen.
So kann der Ablauf aussehen
- Passende berufliche Weiterbildung auswählen.
- Prüfen, ob Bildungsträger und Maßnahme entsprechend zugelassen sind.
- Beratung zur Weiterbildungsförderung bei der Agentur für Arbeit in Anspruch nehmen.
- Individuelle Voraussetzungen und mögliche Zuschüsse prüfen lassen.
- Förderung beantragen und Entscheidung abwarten.
- Nach der Bewilligung mit der geförderten Weiterbildung starten.
Die Förderung sollte nicht erst geklärt werden, nachdem die Weiterbildung bereits begonnen hat.
Welche Online-Marketing-Weiterbildungen können gefördert werden?
Wer sich beruflich in Bereichen wie SEO, SEA, Social Media, Content Marketing, E-Commerce oder künstlicher Intelligenz weiterentwickeln möchte, kann prüfen, ob für die gewünschte Weiterbildung eine Förderung möglich ist.
SMD bietet praxisorientierte Weiterbildungen für unterschiedliche Bereiche des digitalen Marketings an. Je nach Kurs sowie persönlicher und betrieblicher Situation kann eine Förderung durch die Agentur für Arbeit infrage kommen.
Häufige Fragen zur Weiterbildungsförderung für Beschäftigte
Können Beschäftigte eine Weiterbildung von der Arbeitsagentur fördern lassen?
Muss ich für eine geförderte Weiterbildung meinen Job kündigen?
Wie lange muss eine förderfähige Weiterbildung dauern?
Können Online-Weiterbildungen gefördert werden?
Muss die Weiterbildung AZAV-zertifiziert sein?
Wer beantragt die Förderung – Arbeitgeber oder Arbeitnehmer?
Werden die Weiterbildungskosten vollständig übernommen?
Kann eine SEO- oder Online-Marketing-Weiterbildung gefördert werden?
Fazit: Weiterbildung fördern lassen und digitales Know-how aufbauen
Die Weiterbildungsförderung für Beschäftigte bietet Unternehmen und Mitarbeitenden die Möglichkeit, berufliche Qualifizierung mit finanzieller Unterstützung umzusetzen.
Gerade durch Digitalisierung, künstliche Intelligenz und sich wandelnde Berufsbilder wird es wichtiger, Kompetenzen kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Wer eine Weiterbildung plant, sollte deshalb frühzeitig prüfen, welche Förderung durch die Agentur für Arbeit möglich ist und ob die gewünschte Weiterbildung die Voraussetzungen erfüllt.
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Weiterbildungen entdeckenQuellen & Hinweis
Grundlage dieses Ratgebers sind insbesondere die Informationen der Bundesagentur für Arbeit zur Förderung der beruflichen Weiterbildung von Beschäftigten sowie § 82 und § 82a SGB III.
Stand: September 2026. Förderfähigkeit und Förderhöhe werden im Einzelfall durch die zuständige Agentur für Arbeit geprüft. Dieser Ratgeber ersetzt keine individuelle Förderberatung.